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Zunächst noch ein Nachtrag zu Montag, 12.Januar, dem 5.Jahrestag des Erdbebens: Von den erwarteten Unruhen war in Les Cayes und Umgebung nichts zu merken. Zum Gedenken an die Katastrophe hatten die Schulkinder frei und auch manche Läden blieben geschlossen, in der Stadt war es daher eher ruhiger als sonst.

In der Nacht zum Dienstag regnete es. Dadurch stellte sich das Problem, dass das letzte steile Stück zur Spitze des Morne Brieux für unseren Lastwagen nicht befahrbar war. So wurde ein Pickup mit den noch übrigen Eisenstangen, die fertig gebogen im Hof lagen, beladen und der letzte unbefestigte Anstieg mussten die Eisen zu Fuß transportiert werden. Es sah schon etwas halsbrecherisch aus, wie die gebogenen Eisen so vor der Windschutzscheibe baumelten und einer deutschen Polizeikontrolle hätte der Transport sicherlich nicht Stand gehalten. Aber: Alles ging gut und so konnten alle Eisen in der Baugrube verlegt und die Bewährung nahezu fertiggestellt werden. Trotzdem war die Stimmung als der Bautrupp am Abend nach Hause kam, nicht besonders gut: Im Laufe des Tages hatte sich herausgestellt, dass einige der Eisenstangen abhanden gekommen waren, obwohl das Material nachts bewacht wurde.

"Das kommt hier leider immer wieder vor, damit muss man rechnen", war der lakonische Kommentar des Missionarsehepaars, bei dem wir an diesem Abend zum Essen eingeladen waren.

Der Mittwoch brachte eine der größten Herausforderungen des Unternehmens: Das Betonieren. Und zwar ohne Betonmischer oder sonstige maschinelle Hilfe. Selbst das Wasser musste in Fässern per Pickup auf den Berg geschafft werden! So wurden also Zementsäcke geschleppt, mit Sand, Steinen und Wasser gemischt und in Eimer gefüllt. Die Eimerkette mit Leuten von dem Dorf auf dem Berg funktionierte nicht sofort, doch mit der Zeit klappte alles wie am Schnürchen. So mancher Eimer flog auch mal dem Nachbar an den Kopf oder auf die Füße, was bei diesem auch die gewünschte Reaktion hervorrief, aber am Ende des Tages waren 21 Kubikmeter Beton in der Baugrube: Eine reife Leistung, die nach Ansacht von André, unserem Bauingeneieur, auch einer mit allen Hilfsmitteln ausgestatteten Baustelle in Deutschland alle Ehre gemacht hätte! Und es fragt sich, wer stolzer war: Die Haitianer oder der Bautrupp aus Deutschland. Faszinierend war auch anzusehen, wie einzelne Haitianer versuchten, die Bauarbeiten als Chance zu nutzen, mitdachten und Umsicht zeigten: So nahm zum Beispiel Jonas, ein junger Mann von circa 20 Jahren, der die Schule nicht weiter besuchen kann, weil seine Eltern dies nicht mehr finanzieren können, die Gelegenheit wahr, mit seinen wenigen Englischkenntnissen André als Dolmetscher behilflich zu sein, nahm Diebstahl gefährdetes Material abends zu sich nach Hause und arbeitete die ganze Zeit über extrem zuverlässig. Es wäre schön, wenn eine Möglichkeit gefunden werden könnte, solchen jungen Menschen, die Haiti dringend braucht, auch nach Abschluss des Projekts weiterhelfen zu können.

 

Nach diesem harten Arbeitstag ließ man es am Donnerstag erst einmal etwas ruhiger angehen: Es gab einige organisatorische Dinge zu regeln, die Baustelle musste kontrolliert, der Beton mit Wasser begossen und Tafeln für die Verschalung der Stützen hergestellt werden. Ein paar von uns nutzten die Gelegenheit nach Cité Lumière (Missionszentrum der Baptistengemeinde MEBSH) zu fahren und dort eine kleine Textilmanufaktur zu besuchen, die in den vergangenen Jahrzehnten von Missionaren aufgebaut wurde. Dort werden haitianische Frauen beschäftigt, die einmal wöchentlich zur Manufaktur kommen um Material wie Wolle, Stoff etc. abzuholen und zu Hause fertiggestellte Ware dort abzugeben. Der Lohn, den die Frauen für diese Arbeiten bekommen, ist meist der Hauptverdienst der Familien, da viele Männer arbeitslos sind. Außerdem erhalten in dieser Einrichtung 30 junge Frauen eine Ausbildung in verschiedenen hauswirtschaftlichen Bereichen, zudem werden kaufmännische Grundkenntnisse vermittelt. Die besten von ihnen erhalten ein Lehrerinnendiplom, die anderen erweben immerhin einen Abschluss, der es ihnen erleichtert, qualifizierte Arbeit zu finden. Nachdem wir uns in der hauseigenen Boutique mit Geschirrtüchern, gehäkelten Jacken und Accessoires eingedeckt hatten, wurden wir von der Missionarin, die die Manufaktur leitet, zurück zu unserem Quartier gebracht. Dieses verließen wir am Abend in Richtung Port Salut, einer kleinen Stadt direkt am Meer, wo wir die nächsten drei Übernachtungen gebucht hatten. Obwohl es schon spät war, statteten wir der Baustelle nochmal einen Besuch ab. Dort war glücklicherweise alles in Ordnung, sodass wir bald weiterfahren und den Abend in einem gemütlichen Restaurant direkt am Meer beschließen konnten.

Heute stand nochmal ein harter Arbeitstag auf der Baustelle an: Die Stützen mussten verschalt und mit Beton ausgefüllt werden. Von Amerikanern konnten wir hierzu einen Nivelier-Laser ausleihen durch den sichergestellt werden konnte, dass die drei Stützen exakt gleich hoch betoniert wurden. Hier wurde es noch einmal ziemlich knifflig, aber am frühen Nachmittag war die Arbeit geschafft: In nur 9 Arbeitstagen konnte in deutsch-haitianischer Co-Produktion das Fundament für den Sendemasten erstellt werden! Wir sind alle sehr glücklich und vor allem unserem Gott, der immer wieder Hilfe und Gelingen schenkte, sehr dankbar!!
Nach unserer Rückkehr nach Port Salut konnten wir uns für den harten Arbeitstag belohnen, ein erfrischendes Bad in der Karibik und einen herrlichen Sonnenuntergang genießen!

 

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