Radio Lumière Modul Port-de-Paix Cap-Haitien Pignon Artibonite Hinche Delpeche Menelas Côte Plage Pétionville Boutillier Jacmel Tête Boeuf Les Cayes | Cité Lumière Torbeck Morne-Brieux Jérémie Studio Jérémie Sender Montagnac Dame Marie

Für Samstag war der Besuch des Radio Lumière Studios in Jérémie, das mit Unterstützung von AEHaiti ausgebaut wurde,geplant. Hierzu wollten wir Motorräder leihen, denn die Fahrt von Les Cayes nach Jérémie führt übers Gebirge. Die Straße ist zwar offiziell als Bundesstraße ausgezeichnet, sie befindet sich aber seit Jahren im Bau. Die Bauarbeiten machen Fortschritte, aber ein guter Teil der ca 100km langen Strecke gleicht immer noch eher einer Motocross-Strecke als einer nach unserem Verständnis üblichen Straße. Da es in Haiti kaum einen Motorrad-Verleih gibt, fragten wir bei verschiedenen Freunden und Bekannten nach. Bis wir für vier Personen drei Motorräder und passende Ausrüstung gefunden hatten, mussten wir diverse Stationen aufsuchen, denn fast niemand hier verfügt über komplettes Equipment.

Durch Witterung und Straßenverhältnisse wird das Material sehr stark beansprucht und wenn etwas kaputt oder verloren geht, ist es nur schwer, manchmal überhaupt nicht zu ersetzen. So starteten wir deutlich später als geplant erst am späten Vormittag. Die 2 1/2 stündige Fahrt war superschön, allerdings auch etwas anstrengend, da die meisten von uns Geländetouren mit dem Motorrad nicht gewohnt sind.

Der Empfang in Jérémie war sehr herzlich: Alle Mitarbeiter waren extra zum Studio gekommen um uns zu begrüßen. Da die finanziellen Möglichkeiten des Senders sehr begrenzt sind, arbeiten nahezu alle Mitarbeiter ehrenamtlich, weshalb auch nur einzelne Sendungen produziert werden können, die restliche Zeit wird seit fast einem Jahr mit Musik ausgefüllt,. Eine Übertragung des im Studio von Port-au-Prince produzierten Programms ist momentan aus technischen Gründen leider nicht möglich. Trotz dieser Schwierigkeiten machten alle Mitarbeiter einen sehr motivierten Eindruck. So berichtete beispielsweise Marie-José, eine junge Lehrerin, begeistert von ihrer Sendung, die sie jeden Samstag Vormittag mit Kindern der Nachbarschaft produziert: Es wird viel gesungen, Quiz-Spiele gemacht und Geschichten erzählt und die Kinder aus der Umgebung sind mit viel Eifer dabei.

Nachdem wir kurz zuvor bei der Ankunft von bettelnden Kindern umringt worden waren, bekamen wir eine ganz neue Vorstellung davon, was diese Arbeit für die Menschen in Jérémie bedeutet! Nach Besichtigung des Studios wartete ein leckeres Mittagessen auf uns, typisch haitianisch mit Ziegenfleisch, Reis mit Bohnen, Süßkartoffeln, Yanm, Kochbananen, Tomaten und Paprika. Wenn man weiß, dass dort nicht einmal fließendes Wasser zur Verfügung steht, ist man schon überwältigt von der Gastfreundschaft!

Nach dem Essen machten wir uns zusammen mit den Radiomitarbeitern auf den Weg um ein höher gelegenes Grundstück etwas außerhalb der Stadt zu besichtigen, das eventuell als Standpunkt für einen dringend benötigten neuen Sendemasten in Betracht kommt.

Am späten Nachmittag - viel später als geplant, und auf jeden Fall zu spät um bei Tageslicht nach Hause zu kommen - machten wir uns auf den Heimweg. Nach einer guten halben Stunde, wir hatten gerade den gut ausgebauten Teil der Strecke verlassen, blieb das Motorrad von Johannes stehen. Was nun?? Es dauerte nur wenige Minuten, da war der "haitianische ADAC" in Form eines jungen Haitianers zur Stelle, der mit seinem Motorrad anhielt, etwas Werkzeug auspackte, das Problem schnell erkannte und innerhalb recht kurzer Zeit das Fahrzeug wieder zum Laufen brachte.

Die Fahrt konnte weitergehen, allerdings war es inzwischen stockdunkel und so zog sich der Weg ziemlich in die Länge... Stunden später, als wir schon glaubten, das Ziel vor Augen zu haben, streikte Johannes` Gefährt zum zweiten Mal und wir standen wieder am Wegesrand... Diesmal brachte ein Anruf bei Doris, in deren Gästehaus wir untergebracht waren, die Rettung: Sie schickte einen Pickup samt Fahrer, der uns dann sicher zum Gästehaus geleitete. Auch an diesem Tag konnten wir nur über all das staunen, was wir erlebt hatten und Gott für alle Hilfe und Bewahrung danken!

Am Sonntag, den 18. Januar, hatten wir einen Ruhetag, besuchten die Stadt Port à Piment, wo wir das Ehepaar Schaller besuchten, welche in einer Handwerkerschule und dem örtlichen Krankenhaus in der Physiotherapie arbeiten. Danach genossen wir nochmals den Strand bis zum Sonnenuntergang.

Am Abend hatten wir den Maurermeister und sein Team zu einem Abschlussessen zu einem Restaurant geladen. Dies war ein schönes und lustiges Beisammensein und für die Bauarbeiter ein einmaliges ungewohntes Erlebnis.

 

Am Montag hatten wir unseren letzten Arbeitstag auf dem Berg "Morne Brieux", die Schalung musste entfernt werden, Erde wurde auf die Fundamentplatte aufgefüllt und es musste zusammengepackt und aufgeräumt werden. Den Nachmittag und Abend verbrachten wir mit letzten Erledigungen und Besuchen in der Stadt Les Cayes.

Nachdem wir gut gefrühstückt hatten und unsere offenen Rechnungen beglichen hatten, fuhren wir am Dienstag los in Richtung Port-au-Prince. An einem schönen Palmenstrand machten wir einen kurzen Badestop. Gegen 14.30 Uhr kamen wir im Hauptstadtstudio im Vorort Carrefour an, um dort noch Gespräche zu führen über offene Punkte, aktuelle Schwierigkeiten und Möglichkeiten.

Am gestrigen Mittwoch mussten wir erst mal Klamotten kaufen, da ein guter des mitgebrachten Outfits der Baustelle zum Opfer gefallen war. Gegen Abend kamen wir dann müde am Strandhotel "Kaliko-Beach-Club" an, welches 2 Stunden außerhalb der Hauptstadt in Richtung Nord-Westen liegt.